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Für Sabine

 

 

Vom Kleeblatt und der Liebe

Manchmal ist es nur ein kleines Geschenk, das durch fehlende Aufmerksamkeit dafür Sorge trägt, das das größte Geschenk im Leben eines Menschen - die Liebe - nicht mehr angenommen werden kann. Besonders bei Kindern ist das so, hier die Geschichte dazu.

Ich lebte zu der Zeit bei meinem Vater und dessen neuer Frau. Meine Mutter besuchte mich dann und wann und holte mich über das eine oder andere Wochenende zu sich. An diesem Tag, ich war fünf oder sechs Jahre alt, war sie bei meiner Stiefmutter, die beiden hatten offensichtlich etwas zu besprechen. Ich störte dabei nur und wurde zum spielen vor die Tür geschickt. So fand ich mich bald auf einer Wiese mit Klee wieder. Mit Feuereifer macht ich mich daran ein vierblättriges Kleeblatt zu finden, um es meiner Mutter zu schenken. Ich betete zu Gott, er möge mich eines finden lassen und siehe da, ich fand auch eins. Voller Glücksgefühl und voller Liebe brachte ich meiner Mutter dieses vierblättrige Kleeblatt. Sie aber schaute nur kurz drauf, sagte irgendetwas dazu und wendete sich ihrem Gespräch wieder zu.

An diesem Tag und von diesem Tage an, war meine Liebe begraben, begraben unter einer Wiese mit Kleeblättern. In den Jahren danach fühlte ich ganz tief in mir, das mir irgendetwas fehlte. Ich wusste nicht was es war, aber das es so ist, das spürte ich ganz deutlich.

Heute 38 Jahre später habe ich sie wieder gefunden, meine dort unter der Kleewiese vergrabene Liebe. Der Weg dahin war steinig und der Preis, den ich in dieser Zeit dafür zu zahlen hatte, ist sehr hoch. Alle meine Liebesbeziehungen waren zum Scheitern verurteilt, weil ich zwar von meinen Partnerinnen Liebe einforderte, jedoch nie in der Lage war, diese Liebe wirklich anzunehmen um sie dann wieder zurückzugeben. Ja, es war ein schönes Gefühl geliebt zu werden, füllte es doch die Stelle in meinem Herzen aus, an der meine (Selbst-) Liebe hätte sein sollen. Aber, kein Mensch, auch wenn er noch so stark liebt, kann für einen anderen Menschen lieben. Er kann so viel Liebe geben, wie er nur vermag, sie wird versickern, an dieser leeren Stelle im Herzen. So erging es mir auch. Ich wurde wirklich geliebt, ich spürte das auch ganz doll und voller Dankbarkeit, doch ich war nicht in der Lage, diese Liebe zu erwidern, so zu erwidern, das ein Geben und Nehmen diese Liebe nährte. Erst als ich es schaffte, meine Liebe für mich wieder zu finden, erst ab diesem Augenblick konnte und durfte ich die wundervolle Liebe meiner Partnerin Sabine sehen, verstehen, genießen und meine Liebe zu Ihr zurück fließen lassen. Leider war es dafür bereits zu spät, für die Beziehung als Paar. So viel Liebe auf der einen Seite von Sabine und so wenig Gegenliebe auf meine Seite für Sabine brachten den Strom der Liebe von Sabine zu mir zum erliegen. Was bleiben darf, ist die Liebe der Freundschaft und dafür, meine heißgeliebte Maus, dafür danke ich Dir sehr und von ganzem Herzen.
Erich Fromm schreibt sinngemäß "wo die Liebe keine Gegenliebe erzeugen kann, wird diese Liebe ohnmächtig". Geliebte Sabine, wie viel Ohnmacht hast Du nur ertragen können, das allein nun sehen zu können ist für mich kaum zu ertragen. Ich kann Dir nur danken und meine Liebe zu Dir tief in meinem Herzen bewahren. Und ich kann Dir in Gedanken etwas schenken.....

ein vierblättriges Kleeblatt:

                                                                  Dein Andreas

 

Also, ihr da draußen, achtet auf eure Kinder und schaut, wo euer inneres Kind geblieben ist
und wo es möglicherweise eure Liebe vergraben hat.